Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Was ist Laktose (Milchzucker)?

Milchzucker (Laktose) ist ein natürlicher Bestandteil der Milch und ein sogenannter Zweifachzucker, d. h. Milchzucker besteht aus zwei einzelnen Zuckerbausteinen-Glukose und Galaktose. Damit der Milchzucker im Dünndarm aufgenommen werden kann, muss er zuerst in diese beiden Bausteine zerlegt werden. Normalerweise ist das Enzym Laktase (β-Galaktosidase), das sich in der Dünndarmschleimhaut befindet, für diese Spaltung zuständig.

Was wird unter einer Laktoseintoleranz verstanden?

Menschen mit einer Laktoseintoleranz sind nicht in der Lage, Milchzucker in seine Einzelbestandteile zu zerlegen: Ein Laktasemangel verringert die Fähigkeit zur Spaltung des Zuckers. Der Milchzucker bleibt im Darm, bindet Wasser, und es kommt zu Durchfall. Zusätzlich verwerten Darmbakterien den ungespaltenen Zucker, wodurch Darmgase (Blähungen) entstehen.

Häufigkeit

Die Mehrheit der Weltbevölkerung kann Milchzucker nach dem Säuglingsalter nicht mehr vollständig verwerten - die Laktoseintoleranz ist also hier der Normalfall. In asiatischen Ländern beispielsweise fehlt fast allen Menschen das Enzym zur Spaltung des Milchzuckers. Daher findet man in diesen Regionen auch keine Milch- oder Käseprodukte auf dem Speiseplan. In Mitteleuropa leiden schätzungsweise über 15 % der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz. Nicht zu verwechseln ist die Milchzuckerunverträglichkeit mit einer Allergie gegen Milcheiweiß.

Zu unterscheiden sind zudem:

Primäre Laktoseintoleranz
Hierunter wird die häufigste Form der Laktoseintoleranz verstanden. Sie ist genetisch bedingt und tritt vermehrt in wärmeren, sonnenreichen Gegenden auf. Sie tritt erst im Laufe des Erwachsenwerdens auf (ab dem fünften Lebensjahr) und wird mit zunehmendem Alter stärker. So können 70 % der Europäer im Alter von 60 Jahren keine Laktose mehr verdauen.

Sekundäre Laktoseintoleranz
Hier liegt kein genetischer Defekt, sondern eine Störung der Darmschleimhaut vor. Das Enzym Laktase wird im Dünndarmepithel gebildet. Diese Schicht des Darmes ist die erste, welche durch andere Krankheiten oder externe Einflüsse geschädigt wird. Zu solchen Einflüssen zählt u. a. auch die Einnahme von Antibiotika über einen längeren Zeitraum. Diese Form der Laktoseintoleranz ist reversibel, d. h. sie kann geheilt werden.

In Abhängigkeit der verbleibenden β-Galaktosidase-Aktivität der oben beschriebenen unter Laktoseintoleranz leidenden Verbrauchergruppen resultieren deutliche Unterschiede in der Höhe der tolerierbaren Laktosemengen. Die Beratungsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) tragen dieser Situation Rechnung. So bleibt die Mehrzahl der Personen mit einer Laktoseintoleranz unter einer laktosearmen Kost (8-10 g Laktose pro Tag) symptomfrei. Für sehr empfindliche Personen empfiehlt die DGE, die Laktoseaufnahme auf 1g täglich zu begrenzen. Bei Personen mit Galaktosämie sollte dagegen die Ernährung praktisch frei an Galaktose und somit auch frei an indirekten Galaktosequellen wie Laktose sein.

Wie viel Laktose ist im Lebensmittel?

  • Milchschokolade: 9,5 g/100 g
    entspricht 2,9 g pro Portion (Portionsgröße 30 g)
  • Eiscreme (auf Milchbasis): 6,7 g/100 g
    entspricht 8,4 g pro Portion (Portionsgröße 125 g)
  • Milch: 4,7 g/100 ml
    entspricht 11,8 g pro Portion (Portionsgröße 250 ml)
  • Latte Macchiato: 4,1 g/100 ml
    entspricht 6,2 g pro Portion (Portionsgröße 150 ml)
  • Joghurt: 3,2 g/100 g
    entspricht 4,8 g pro Portion (Portionsgröße 150 ml)
  • Nuss-Nougat-Creme: 1,9 g/100 g
    entspricht 0,3 g pro Portion (Portionsgröße 15 g)
  • Camembert (50 % Fett i.Tr.): 0,1 g/100 g
    entspricht 0,03 g pro Portion (Portionsgröße 30 g)
  • Emmentaler (45 % Fett i.Tr.): < 0,05 g/100 g
    entspricht < 0,05 g pro Portion (Portionsgröße 30 g)

Quelle: Souci/Fachmann/Kraut "Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen", 7., revidierte Auflage (1. April 2008), Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart

Kennzeichnung

In Deutschland hat die Arbeitsgruppe der Lebensmittelchemischen Gesellschaft „Fragen der Ernährung“ im Jahr 2005 ein Positionspapier zur Kennzeichnung zu den Angaben von Laktose in Lebensmitteln veröffentlicht (Lebensmittelchemie 59, 45 [2005])

  • laktosearm
    Laktosegehalt höchstens 1 g/100 g (ml) bzw. 10 g/kg (l)
  • streng laktosearm
    Laktosegehalt höchstens 100 mg/100 g (ml) bzw. 1000 mg/kg (l)
  • laktosefrei
    Laktose- bzw. Galaktosegehalt höchstens 10 mg/100 g (ml) bzw. 100 mg/kg (l)